Grundregeln

Allgemeine Grundregeln der Hundeerziehung (Kurzfassung)

Die zu erlernenden Befehle müssen unter Ausnutzung der Triebe trainiert werden um Erfolg zu haben. Der Reiz, welcher bei einem Hund einen Trieb aktiviert, wird Schlüsselreiz genannt. Dieser Schlüsselreiz führt zur sogenannten Triebstimmung.

Diese wiederum zur Instinkthandlung, mit folgender Endhandlung und anschliessender Triebbefriedigung. Für uns ist im Umgang mit Hunden jedoch

weitaus wichtiger, dass sich Ängste beim Hund nicht im Laufe der Zeit bessern, sondern im Laufe der Zeit immer stärker werden, wenn unsererseits keine Einflussnahme erfolgt. Und dies mit 100 %er Sicherheit.

Die Triebe in der Übersicht:
Aggressionstrieb, Wehrtrieb, Apportiertrieb, Arterhaltungstrieb, Begattungstrieb, Betätigungstrieb, Beutetrieb, Bewegungstrieb, Bringtrieb, Fluchttrieb, Fresstrieb, Wachtrieb, Geschlechtstrieb, Geselligkeitstrieb, Unterordnungstrieb, Heimkehrtrieb, Sexualtrieb, Hetztrieb, Jagdtrieb, Jungtiertrieb, Kampftrieb, Körperausscheidungstrieb, Meutetrieb, Muttertrieb, Pflegetrieb, Ruhetrieb, Schutztrieb, Selbsterhaltungstrieb, Selbstverteidigungstrieb, Stöbertrieb.

 Fast alle Hundeprobleme haben ihre Ursache in ungeklärten Ressourcenverhältnissen.
Erziehung ist für den Hund im Prinzip nichts neues, man gewöhnt ihn eigentlich nur daran, das zu tun was er ohnehin von sich aus tut, nur eben jetzt auf unsere Körperaktionen hin. Einem Hund etwas abgewöhnen dauert sehr lange, zumal sich das falsche Verhalten zunächst verstärkt und erst danach endgültig abnimmt. Meist zieht sich ein derartiges Vorhaben über mehrere Wochen hin, sodass viele Besitzer schon vorher aufgeben. Das muss nicht sein. Beachten Sie bitte dass Sie und Familienmitglieder bzw. Personen die Ihren Hund betreuen, immer ein- und dieselben Körperaktionen verwenden. Man vermeidet dadurch Unsicherheiten, Gehorsamsverweigerung und letztendlich unnötige Bestrafungen. Geben Sie kurze, eindeutige und vor allem im gleiche Sicht- oder Körperzeichen bei der Arbeit am Tier. Grundsätzlich benötigen Sie keinerlei Sprachkommandos, sondern arbeiten vielmehr mit Ihren Körpersignalen. Denken Sie daran, dass Ihr Hund noch bevor Sie ein Sprachkommando geben, bereits auf Ihre Körpersprache reagiert. Dies können Sie sehr leicht prüfen, indem Sie wie gewohnt vom Hund ein „Sitz“ fordern, diesmal jedoch statt „Sitz“ einfach ein anderes Wort benutzen, was Ihr Hund nicht kennt. Solange Ihre Körperhaltung mit dem konditioniertem Sitzkommando übereinstimmt, können Sie jedes beliebige Wort verwenden. Prägen Sie dies bitte auch anderen Personen ein, die mit dem Hund zu tun haben bzw. die im Umgang mit einem Hund keine Erfahrungen besitzen. Dies gilt ganz besonders für Kinder. Vergessen Sie bitte Ihren Hund, sei er auch noch so niedlich, in der Babysprache zu unterrichten. Sätze wie: „Schatzi muss Fresschen“ oder „Kommt das Huntilein schön zum Frauchen“ usw. sind weder Hundgerecht noch bringen sie irgendeinen Vorteil. Ganz abgesehen davon ist der Haushund kein Ersatz für einen unerfüllten Kinderwunsch.

Wissenswertes zur Erziehung
Unterscheiden Sie bei der Umsetzung von Aktionen zwischen erlerntem Verhalten und angeborenen Trieben des Hundes. Auf erlernte Verhaltensweisen können Sie leichter Einfluss nehmen, während Sie bei angeborenen Trieben (Hetztrieb, Jagdtrieb usw.) um so mehr Geduld und Motivation aufbringen müssen um den gewünschten Erfolg zu erzielen. Es ist beispielsweise leichter Ihrem Hund die Aktion „KOMM“ beizubringen, da er dies von sich aus ja gerne tut, während hingegen beim „AUS“ der angeborene Futter- oder Beutetrieb im Spiel ist, der dann weitaus schwieriger zu kontrollieren ist, besonders wenn es sich um einen gefundenen Leckerbissen handelt. Grundsätzlich müssen Aktionen, welche die angeborenen Verhaltensweisen betreffen, doppelt so oft geübt werden. Das Alter des Hundes ist übrigens kein Hindernis um zu lernen. Ein Hund kann in jedem Alter neue Aktionen erlernen oder aus unserer Sicht falsche Verhaltensweisen ablegen, ja sogar an einen neuen Namen gewöhnt werden.

Unterordnungstraining
Vor jeder Erziehungseinheit muss die Rang- bzw. Rudelordnung geklärt sein um mit dem Hund erfolgreich arbeiten zu können. Bedenken Sie: Ihr Hund reagiert primär auf Ihre Körperhaltung, sekundär auf Ihre Stimme (Tonfall, Stimmlage, Laut, Leise, Scharf, Weich) und viel später erst auf den Sinn der gegebenen Worte. Viel stärker nimmt der Hund Körperbewegungen bzw. Körpersignale wahr. Achten Sie also primär darauf, dass Sie die volle Aufmerksamkeit Ihres Hundes haben, d.h. er muss Sie dabei ansehen und vermeiden Sie überflüssige Körperaktionen. Sie sollten täglich immer mehrere Aktionen üben, denn damit kommen Sie weiter als mit einer einzigen Aktion, die Sie womöglich tagelang ohne Erfolg üben. Die Ausbildung mit Leckerli hat gegenüber der Belohnung durch Spielzeug Vorteil hat, dass Sie das Training nicht unterbrechen müssen. Denken Sie daran, dass Sie den Hund im selben Moment loben indem er richtig agiert. Ein Tier kann nur innerhalb weniger Sekunden das Geschehene mit Ihrer Reaktion verbinden. Es ist also unsinnig den Hund für etwas zu bestrafen, dass Sie nicht im selben Moment beobachten und sofort beanstanden. Trotz Ihrer Wut über das Fehlverhalten des Tieres dürfen Sie niemals nachtragend sein, denn dies würde Ihr Hund nicht verstehen und mit unangemessenem Verhalten reagieren. Arbeiten, Trainieren und Üben Sie mit Ihrem Hund immer in der Gegenwart, niemals dürfen Sie Beanstanden oder gar Bestrafen was das Tier in der Vergangenheit getan hat, auch wenn es Ihnen schwer fallen sollte.

 Der Sinn und Unsinn von Kommandos
Falls Sie nicht auf Sprache verzichten wollen oder können bedenken Sie bitte folgendes:
Es gibt unzählige Begriffe, Phrasen, Kommandos und Befehle, die man einem Hund beibringen kann. Ausschlaggebend zum schnellen und sicheren Erlernen von Hörzeichen sind kurze, am besten einsilbige, einfache und eindeutige Wörter, die sich sowohl in Klang und Intensität als auch im Tonfall unterscheiden. Viele verwendete Begriffe sind zu lang oder können nur schwer richtig betont werden. Andere Begriffe wiederum sind den übrigen zu ähnlich, als dass sie vom Hund richtig unterschieden werden könnten. Das führt zu Verwechslungen bzw. Verständigungsproblemen. In einer durchgeführten Umfrage zu allen Arten von Kommandos und Befehlen bei Hunden resultierten weit über 150 Begriffe und Phrasen. Von diesen hatten etwa 100 ein- und dieselbe oder zumindest eine ähnliche Bedeutung. Viele der allgemeinüblichen Begriffe wie z.B. Pfui oder GEH WEG DA können ersetzt werden durch einfache Kommandos wie z.B. NEIN oder AUS. Kommandos wie BRING -GIB IN DIE HAND, ersetzt man durch ein alleiniges BRING. Da die gewünschte Aktion des Hundes ja BRING sein soll, ist es unerheblich ob er den Gegenstand vorher fallen lässt, es gilt nach wie vor BRING. Andere unqualifizierte Dinge wie z.B. NICHT INS WASSER oder NICHT DA HIN erübrigen sich, wenn man statt dem Hund beizubringen was er NICHT tun soll, sagt was er ersatzweise machen soll, nämlich SITZ, PLATZ, HIER, STOP. BLEIB oder STEH.

Wir können dem Hund keine verschachtelte Denkweise zusprechen, wie dies beim Menschen oft der Fall ist, der eine Aktion mit einer möglichen Reaktion verbinden kann. Der Hund kann eine Aktion nur mit einer stattfindenden Reaktion verbinden um daraus für die Zukunft zu lernen. Der Mensch braucht nicht die Finger auf eine heisse Herdplatte zu legen, da er logisch schlussfolgern kann, das dies schmerzhaft für ihn sein kann. Der Hund hingegen kann das nicht und lernt ausschliesslich aus Erfolg oder Irrtum. In unserem Beispiel eben erst nachdem er sich die Pfote verbrannt hat. Sicherlich könnte man ihm durch geeignete Befehle wie z.B. „Nein“ verbieten entsprechende Gegenstände zu berühren, aber ganz im Gegensatz zu einem Kind würde er niemals verstehen warum. Selbstverständlich verbrennt sich der Hund nicht die Pfoten, weil er instinktiv Feuer bzw. Hitzequellen meidet.. Phantasie und vorausschauendes Denken ist dem Menschen vorbehalten und findet in der Hundeausbildung bestenfalls Verwendung in der Kreation neuer phantastischer Hunde-Sportgeräte oder auch in der Kampfhundeverordnung.

Allgemeine Grundregeln der Hundeerziehung (Kurzfassung)

  • Die zu erlernenden Aktionen müssen unter Ausnutzung der Triebe trainiert werden um Erfolg zu haben. (Hetztrieb, Meutetrieb, Beutetrieb, Herdentrieb, Rudeltrieb, Futtertrieb)
  • Lässt sich eine Aktion unter Ausnutzung eines Triebes nicht umsetzen, nutzt man einen anderen Trieb oder verwendet entsprechende Hilfen wie natürliche Abgrenzungen
  • Viele Aktionen lassen sich unter Ausnutzung der Triebe innerhalb kürzester Zeit erlernen. Je stärker der Trieb und je höher die Motivation, desto schneller lernt der Hund
  • Der Hund muss alle Aktionen ohne Zwang und ohne körperliche Hilfe des Ausbilders erlernen können. Sollte dies nicht funktionieren, ändert man die Gegebenheiten bzw. das Umfeld
  • Hör- und/oder Sichtzeichen müssen gleichzeitig, während der Ausführung einer Aktion gegeben werden
  • Beim Üben werden Hör- und Sichtzeichen solange gegeben, solange der Hund das gewünschte Verhalten zeigt. Erst danach wird entsprechend belohnt
  • Zeigt der Hund zufällig ein erwünschtes Verhalten, wird sofort das jeweilige Hör- und/oder Sichtzeichen dazu gegeben
  • Das tägliche Training beginnt und endet immer mit erlernten, einfachen Übungen um eine positive Atmosphäre zu schaffen
  • Der Hund lernt durch Selbstversuch und nicht durch Zwang. Er muss die Möglichkeit haben, sich zwischen richtig und falsch entscheiden zu können
  • Geübt wird immer vor dem Füttern, so dass der Futtertrieb genutzt werden kann. Leckerli beim Training sind von der täglichen Futterration abzuziehen
  • Verstärken Sie die Bindung zu Ihrem Hund, indem Sie an allen Aktionen und Geschehnissen den Hund betreffend teilhaben. Das Miteinander ist wichtig
  • Ein zweiter Hund kann bei dem eigenen Hund einzelne Verhaltensformen auslösen, nicht aber kann er die von uns erwartete Verhaltensformen durch Zusehen erlernen
  • Am Anfang des Trainings müssen auch kleinste Erfolge bzw. richtige Ansätze belohnt werden, da der Hund sonst denkt seine Aktionen waren falsch
  • Bei nachlassender Aufmerksamkeit des Tieres wird das Training sofort abgebrochen oder man geht zu gutsitzenden Aktionen über
  • Ein zwanghaftes Durchsetzen ist sinnlos. Dadurch würde nämlich genau das Gegenteil erreicht und die ganze Arbeit wäre umsonst gewesen
  • Beim Arbeiten an der Leine muss diese locker durchhängen. Den Hund an der Leine nie von anderen Hunden wegreissen
  • Um das Heranbringen von Beute in Form von Apportierholz und anderen Gegenständen nicht zu erschweren, darf man dem Hund niemals nachlaufen
  • Bringen Sie dem Hund lieber bei was er tun soll und nicht was er nicht tun soll. Statt negative Sprachkommandos verwenden Sie möglichst positive. (Stop statt Nein)
  • Merke: Alleine das Aufheben von Einschränkungen stellt für den Hund bereits eine Belohnung dar. Je mehr Sie also anfangs Einschränken, desto mehr können Sie später auch belohnen
  • Beim Fehlverhalten des Hundes muss zuerst der Hundeführer sein Verhalten überdenken. Hat der Hund verstanden was Sie von ihm erwarten?

Hör- und Sichtzeichen
Hör- und Sichtzeichen können miteinander verknüpft werden. Da der Hund zwar primär auf Bewegung reagiert, können dennoch Hör- und Körperzeichen als Einheit gegeben werden. Durch die Kombination von Handbewegung/Körperdynamik und Stimme vermeidet man gerade anfangs Unsicherheiten bzw. Verständigungsprobleme und somit auch Zeit- und Energieverschwendung, Leider hat sich diese sinnvolle Ergänzung noch nicht bei allen Hundeschulen herumgesprochen, so dass Begleithund- und andere Prüfungen immer noch ausschliesslich per Hörzeichen absolviert werden müssen, Alleine die Vorstellung, den Hund aus Entfernungen von über 50 Metern nur per Stimme abzurufen ist antiquiert, da man mit einem einfachen Sicht- und Körperzeichen genau dasselbe erreicht und zwar ohne schreien zu müssen, Durch die Kombination von Hör- und Sicht/Körperzeichen kann man Verständigungsprobleme schon im Vorfeld vermeiden. Wenn man sich also schon die Mühe macht, dem Tier Befehle und Kommandos beizubringen, warum dann nicht gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, Gewöhnen Sie Ihren Hund auch daran, Ihre rechte Hand als die Aktionshand zu akzeptieren.

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